Brighton will mich nicht – “I believe in” Performance Teil 3

Katrin Bretschneider, Kreativnomaden

Ich bin frustriert. Auf der letzten Station unserer Reise geht nicht viel. Zwei Termine hatte ich im Vorfeld abgemacht: Jamie Wyld vom Lighthouse Digital Art Festival und Julianne Pierce von der der Performance Gruppe Blast Theory wollten sich mit uns treffen bzw. uns zu ihrer Show einladen – beide reagieren auf keine e-mails mehr.

Den für mich spannenden Ort Basement, ein Veranstaltungs- und Koproduktionsort für Live Art Performance hatte ich eigentlich zuhause schon abgehakt, weil angeblich bis Mitte Oktober niemand da sei. Als ich zufällig dort vorbeigehe, stellt sich heraus, dass dort sehr wohl Betrieb ist. Ich gehe rein und versuche spontan ein Treffen zu arrangieren. No way – alle sind extrem busy hier in Brighton. Ich bin wirklich ernsthaft frustriert, weil ich persönlich mir von Brighton die konkretesten Kontakte für meine Arbeit erhofft hatte. Hier passieren Dinge die mich wirklich interessieren und niemand will mit mir reden.

Auch meine “Show hat you believe in” Performance, die ich dieses Mal auf dem windgepeitschten Palace Pier zeige, findet ein jähes Ende. Ein Secrurity-Mann sagt zu mir: “We don´t believe in Angela Merkel, we don´t believe in holy wars, we don´t believe  in angels here. We do not believe in in any political or religious things. Ich schweige lächelnd und versuche es mit einem letzten Schild: “I believe in H&M”  – Der Brite bleibt höflich aber bestimmt und bittet mich zu gehen. Tschüss Brighton.

Manzara Istanbul – Eine Erfolgsgeschichte

Katrin Bretschneider, Kreativnomaden

Nachdem wir am Mittwoch die Istanbuler Galerieszene unsicher gemacht haben, war es heute an der Zeit, ein erfolgreiches Kreativ-Wirtschaftsunternehmen kennenzulernen. Wir treffen Dirk Schäfer von Manzara Istanbul – eine Art individualtouristisches Gesamtkunstwerk: Manzara besteht aus mehreren vom Gründer und Architekten Erdogan Altindis toll gestalteten Appartements in der Nähe des Galataturms, einem Café, einer Galerie und alternativen Stadtführungen.  Weiterlesen

Auf der Suche nach zeitgenössischem Theater in Istanbul

Katrin Bretschneider, Kreativnomaden

Die Theatertradition der Türkei ist mit der unseren nicht vergleichbar. Während in Westeuropa Autoren wie Shakespeare und Goethe das Theater als literarische Gattung neu etablierten und sich später die klassische Avantgarde des frühen 20 Jahrhunderts genau davon wieder befreite, kannte die Türkei vor allem mündlich überlieferte Formen und Formen ohne literarische Vorlagen (Story Telling, Schattentheater). Im Zuge der Modernisierung entstanden nach und nach Bühnen nach westlichem Vorbild, die aber  hauptsächlich bestehendes aus dem Westen aufgriffen. So gilt das DOT Theater, das vornehmlich Stücke von britischen Autoren der 90er Jahre im Programm hat, schon als ziemlich fortschrittlich. Um etwas zu finden, das einen offeneren Performance-Ansatz verfolgt, muss man etwas genauer hinschauen. Weiterlesen

mit Nihan Cetinkaya durch Istanbuls Galerieszene – DEPO Galerie und SALT Galerie

Katrin Bretschneider, Kreativnomaden

Als erstes führt uns  die zauberhafte Kuratorin Nihan Cetinkaya (die übrigens aussieht wie eine Mischung aus Björk und Audrey Tautou) ins DEPO. Untergebracht in einem ehemaligen Tabak-Depot mitten in Beyoglu ist die nicht kommerzielle Galerie Dreh- und Angelpunkt der der jungen politisch engagierten Kunstszene. Hier gibt es Ausstellungen, Werkstatträume, Platz für Meetings und Diskussionen sowie mehrere Büroplätze. Asena Günal heißt die Chefin und bezeichnenderweise ist sie von Haus aus Soziologin und hat erst in zweiter Linie mit Kunst zu tun. Weiterlesen

Jeden Tag ein bisschen grüner…

Janina Schultze, grün, grön, grønt

Letzter Tag in Oslo – das ging verdammt schnell. Zum Abschluss treffen wir das Projekt, von dem wir im Vorfeld wohl am wenigsten wussten, denn sämtliche Informationen im Netz waren ausschließlich in norwegischer Sprache: grønn hverdag

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Viel Regen und Müll in Oslo

Janina Schultze, grün, grön, grønt

Geweckt wurden wir heute von großen, lauten Regentropfen. Schon der kurze Weg zum Bad durch den Hof sorgte bei uns für nasse Füße. Zwischen all dem Regen war das Treffen mit “Pick a piece of rubbish” deshalb ein echter Lichtblick. Johan und Erlend trafen sich mit uns am Fähranleger, erzählten uns von sich und zeigten uns das Problem, mit dem sie arbeiten. Weiterlesen

Letzter Blick auf Tallinn: Sorgenpunkte – über die Kunst, nicht das Lachen zu verlieren

Katrin Bretschneider, Kreativnomaden

Unser drittes und letztes offizielles Treffen in Tallinn hatten wir mit Katrin Essenson und Lina Keevalik. Die beiden sind die Macherinnen der sogenannten “Kette der Sorgenpunkte” oder auf estnisch: “Murepunkide Kett” vom kirbutsirkus. Das sind kleine Installationen, die im Rahmen des Kulturhauptstadtprogramms, über die ganze Innenstadt hinweg verteilt sind. Zum Beispiel findet man eine Telefonzelle, der man seine Sorgen anvertrauen kann und die dann gute Ratschläge gibt, einen Bankautomaten, der statt Kontoauszüge Gedichte ausdruckt und eine Ampel, die zum Innehalten auffordert und Zen-Wahrheiten von sich gibt. Die Idee ist, kleine Sorgen zu vertreiben, Trost zu spenden und den Hauptstadtalltag zu entschleunigen. Wir treffen die beiden in einem Zustand fröhlicher Verzweiflung:

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Uue Maailma Tänavafestival

Majo Ussat, Kreativnomaden

Gestern haben wir, nach einem kurzen Gang über den russischen Markt am Hauptbahnhof, das Tänavafestival im Stadtteil Uue Maailma besucht. Pünktlich zu Eröffnungsparade, die durch die Straßen und Gärten zog, waren wir dort. Zufall, dass parallel die Facebook-Nachrichten von Freunden über das ¼-Fest in Bremen auf meinem Telefon aufpoppten. Wir haben uns kurz gefragt, ob beide Veranstaltungen irgendwie in Verbindung zueinander gebracht werden können, vielleicht hatte das ¼-Fest ähnliche Anfänge vor 25 Jahren? Aber dieser Gedanke wurden gestern schnell wieder Verworfen. Doch heute wird mir bewusst, eigentlich machen genau die Unterschiede der beiden Initiativen sehr deutlich, was das besondere an dem Tänavafestival ist: Weiterlesen

Hammarby Sjöstad – Familie in Stockholm müsste man sein

Laura Waste, grün, grön, grønt

Hammerby Sjöstad ist wie eine kleine perfekte Welt. Es wirkt beinahe surreal: unglaublich hübsche junge Familien, kleine Wasserläufe, an denen Kinder mit Bällen spielen und kichern, Grünflächen auf denen gepicknickt wird und das alles auch noch beispielhaft umweltfreundlich. Aber seht selbst… Weiterlesen

Von Gemeindehäusern, Sex-Club-Schildern und dem Estnischen Schulsystem

Majo Ussat, Kreativnomaden

Tallinn, das alte deutsche Reval! Erinnerungen an die Zigarettenmarke meines leider schon verstorbenen Großvaters werden wach – und ich dachte immer, dass es sich bei Reval um einen von Marketingspezialisten bestens ausgedachten Name, für eine äußerst starke Zigarette, handelt. Dabei ist es der alte Name von Tallinn, eine traditionsreiche Hansestadt ganz im äußersten Osten der Ostsee. Die Sprache hier: Estländisch, anders als in den anderen baltischen Staaten, ist sie dem finnischen sehr ähnlich, sind es nur 80 Kilometer übers Wasser nach Helsinki. Weiterlesen

Pragmatische Perspektive auf Nachhaltigkeit

Janina Schultze, grün, grön, grønt

“Sustainability for me is more a technical question” – Dieser Satz ist uns wohl vom gestrigen Gespräch am meisten in den Ohren geblieben. Jakob von Superflex, Fotograf und Projektinitiator, nahm sich gestern Zeit und erzählte uns von seinen Ideen und seiner Arbeit. Weiterlesen