Adeus Lisboa

Britta Seidl, …in progress

Es ist, als hätte uns die Stadt leise tschüss sagen wollen. Als wir heute erwachten, war es schwülwarm, und eine Dunstwolke legte sich über die Stadt. Ihre Strahlkraft schien auf einmal verschwunden.Das warme, blendende, aber auch sanfte Licht fehlte. Auch vom Miradouro aus wirkte sie dumpf, grau in grau, verschleiert. Es nieselt, und die Facetten Lissabons wirken auf diese Art viel trister. Paßt dieses Bild besser zur Stadt? Und dennoch ist es sonderbar, aufzubrechen und zum Abschluß dieser Expedition zu kommen… Schwermut macht sich breit.. oder einfach weiter ziehen? Im Mund noch ein Schluck köstlicher Portwein, in der Nase der dreckige, strenge Geruch der Stadt, der sich aus gegrilltem Fisch und Abfall zusammensetzt,… die letzten Bilder der Stadt tragen uns erneut vorbei an den Meisterwerken der Initative Crono.. aus dem Auto nur ein kurzes Erhaschen der Gebäude, wie sie im Passieren wohl nur wahrgenommen werden können…wir sind froh, uns zu Fuß die Zeit genommen zu haben, Ihnen Raum zu lassen, damit sie wirken…
Im Flieger tanzen so viele Bilder der Expedition in den Köpfen. Lächeln huscht über das Gesicht. Eine besondere Reise. Über Schiphol nähern wir uns Bremen… Und wieder Ernüchterung.. wir betreten die Halle der Flughafens, und aus Regines und meinem Mund ertönt einstimmig- “irgendwie so…steril”… Angekommen… aber der Kopf arbeitet weiter, und das ist gut so! …in progress ; )

Farbe vs. Grau

Ole Schiesser, …in progress

Lissabon, was machen wir mit dir? Es will sich einfach kein geschlossenes Bild von dir ergeben.
Die Straßen sind gefüllt mit Touristen. Das Wasser ist erst abseits der Innenstadt zu erreichen. Der Wohnraum ist zu teuer, steht daher leer. Viele Gebäude sind dem Abriss überlassen. Und daran knüpft die Initiative Crono an. Street Art auf Abrissflächen gebündelt in einem Projektzeitraum von einem Jahr. Insgesamt 16 Künstler aus ganz Europa bemalen/bemalten teilweise riesige Häuser. Einige dieser Häuser sind bereits wieder abgerissen, was den vergänglichen Charakter der Kunst zeigt, und von seiten der Veranstalter beabsichtigt wurde. Drei weitere entstehen in der letzten Projektphase, die Ende September abgeschlossen wird. Steht man vor den Häusern, ist der Eindruck atemberaubend. An einer sechsspurigen Straßen tauchen langsam vier aneinandergrenzende Häuser auf. Ein Krokodil, das einen Fisch fängt in knalligem Grün, durchbricht die vorherschenden Sandsteinfassaden. Der Künstler Blu, hat die Schornsteine miteinbezogen; aus ihnen Zacken einer Krone gemacht. Um die Ecke des Hauses schlängelt sich ein Strohhalm. Ein Arm greift durch die Fenster. Die ansässigen Geschäftsleute und Passanten trotten dahin, ohne den Blick zu heben. Oh Lissabon…

Looking for contemporary life art performance in Istanbul

Katrin Bretschneider, Kreativnomaden

Theater hat in der Türkei keine Tradition. Bis vor rund hundert Jahren war das Schattentheater mehr oder weniger die einzige Theaterform, die man in derTürkei kannte. Im Zuge der Modernisierung entstanden nach und nach Bühnen nach westlichem Vorbild, die aber lange Zeit wenig eigenes zu bieten hatten und hauptsächlich bestehendes aus dem Westen aufgriffen. So gilt das DOT Theater, das vornehmlich Stücke von britischen Autoren der 90er Jahre im Programm hat, schon als ziemlich fortschrittlich. Um etwas zu finden, das mit dem “State of the Art” in Westeuropa zu vergleichen ist, muss man lange suchen. Bei meinen Vorab-Recherchen stoße ich auf das Garagistanbul. Ich schicke e-mails, ich schicke Faxe, ich rufe an – keine Antwort….Ich frage unsere Kontaktperson Nihan vor Ort. Sie weiß wo es ist, hat aber auch schon länger nichts mehr davon gehört. Wir beschließen hinzugehen und nachzusehen. In einer Tiefgarage ineiner versteckten Seitengasse in Galata finden wir es. Es ist sogar jemand da. Ein einsamer, etwas wortkarger nicht-englischsprechender Mensch erzählt uns, dass das Garage seit einem Jahr kein eigenes Programm mehr macht, weil das Geld nicht mehr reicht. Auch hier gab es so gut wie keine staatliche Förderung und alles hing von privaten Sponsoren ab. Der Ort besteht weiterhin – er wird vermietet, es gibt Gastspiele und Festivals, aber keine eigenen Produktionen mehr. Mit scheint es so, als herrsche hier so eine Art Dornröschenschlaf: Alles steckt in den Startlöchern um weiterzumachen, sobald es wieder Geld gibt. Der Ort ist gut ausgestattet. Eine coole Location in guter Lage, Bestuhlung, Bühnentechnik, Gastronomie, alles im feinsten Underground-Schick. Der geheimnisvolle Wächter gibt mir ein paar Dokumentationen und Programm-Flyer aus vergangenen Zeiten. Neben vielen türkischen Namen finde ich eine Kooperation mit dem HAU Berlin, Rimini Protokoll war zu Gast, ich lese über Megg Stuart – alles interessante Referenzen. 2009 Gibt es ein Festival mit dem Titel “Honour Games” dass sich mit feministischen Fragen auseinandersetzt. Später erzählt mit mein geheimnisvoller Gegenüber von der Entstehung des Hauses als Theater-Kooperative im Jahr 2006. Die beiden Gründer hatten bereits in Antalya ihre eigene Gruppe und kamen mit viel Idealismus und wenig Geld nach Istanbul. Sie starteten einen Aufruf an Freunde, Kollegen und Bekannte und mit 2000,- € Einsatz konnte man zu einer Art Teilhaber werden. Sie sammelten so lange, bis sie genug Geld hatten und dann starteten sie das Projekt Garage als offene Kooperative. Ich bin beeindruckt von dem ambitionierten Profil und der großen Eigeninitiative und finde es extrem schade, dass dieses Haus nun ein Dasein im Dornröschenschlaf fristen muss. Ich finde, einer Metropole wie Istanbul stünde ein solches Haus zu. Schade, dass es wieder mal nur am Geld scheitert – denn am künstlerischen Know How und Eigenengagement ist da. Ich wünsche dem Garage viel Glück. Meldet Euch, wenn ihr wieder produziert, dann komme ich gerne wieder!

PS: Ich frage im Laufe des Tages hartnäckig weiter nach aktuellen Theater- und Performance Künstlern. Zwei Namen fallen: Bekrön Oha von der Gruppe KREK und GALATAPERFORM. Leider ist unsere Zeit in Istanbul zu kurz, um sie zu besuchen. Zum Glück gibt es das Internet…